Historische Romane

Im März 2020, pünktlich zur LBM, erscheint Band 1 meiner großen Familiensaga unter dem Titel „Die Stadt der Freiheit“ im Plattini-Verlag. Im Herbst 2020 folgt „Trümmerland.“

Gerade diese Woche, als ich mich mit einer Autoren-Kollegin unterhalten hatte, musste ich wieder an die Entstehungsgeschichte von „Die Stadt der Freiheit“ denken.

Eigentlich hatte ich nie vor, eine Geschichte über Rumänien zu schreiben.
Aber nur eigentlich.

Die allererste Idee war, dass ich unbedingt einen Roman, der im Osten spielt, schreiben wollte. Vorzugsweise Russland. (Tatsächlich habe ich Boris Pasternak sehr gerne gelesen und mag seine Sprache) Dann – vor allem aus Bequemlichkeit LOL – änderte ich den Schauplatz in Rumänien, da ich mich da ganz einfach besser auskannte.

Ich wollte die Zeit des Kommunismus beschreiben. Einen doppelten Skandal. Eine der Hauptpersonen sollte homosexuell sein. Und zusätzlich sollte die Beziehung, in der er steckt, gesellschaftlich ebenso verpönt sein. (Warum genau? Selber lesen!) Das war der allererste Funke einer Idee.

Aus dieser ersten Idee entwickelte sich schnell eine Geschichte, die lebte. Die Charaktere waren „echt“ und vielschichtig.

Dann erinnerte ich mich daran, dass ich vor ca. 20 Jahren bereits – irgendwann in der zehnten Klasse – einen Rumänien-Roman vor mich hin geschrieben habe. Auch da war der Schauplatz meine Heimatstadt, auch da gehörten die Personen beruflich dem militaristischen Milieu an.
Ein Kreis schließt sich also, wenn im März mein Verlagsdebüt erscheint.
Meine Deutschlehrerin aus der 5. und 6. Klasse war übrigens die Erste, die mir riet, doch einen Roman über das Land zu schreiben. Ich hatte mich jahrelang geweigert.
Als ich mich endlich traute, kam dann der Erfolg.

Der erste Satz ist immer, immer, immer wichtig.
Auch in meiner Tätigkeit als Lektorin reite ich darauf herum.
Er muss knallen, er muss zünden, aber nicht effekthascherisch, nicht billig, er darf den Roman nicht in Brand setzen.
Manche Autoren lassen den Protagonisten sprechen, bei manchen birgt der erste Satz den grundsätzlichen Konflikt der Geschichte.
Meiner lautet:

„Sie nennen ihn Attila den Hunnen, Steppenfalke, Schwuchteljäger.“

Ich habe lange überlegt, ob ich ihn so stehen lassen kann. Ist er zu gewagt, zu „politisch inkorrekt“, merkt man, dass dieser Satz subjektiv gemeint ist, dass kein objektiver Erzähler eine allgemeingültige Aussage trifft, wenn er „Schwuchtel“ sagt, obwohl es den Anschein hat.
Dann kommentierte meine Lektorin, dass der Einstieg richtig gut sei.
Seitdem bin auch ich absolut zufrieden damit.
Und das wird auch das erste sein, das ich bei der LBM 2020 vorlese.
Ich habe noch keine Ahnung, wie mein Publikum darauf reagieren wird. Wenn ich daran denke, bekomme ich heftiges Lampenfieber.
Aber daran merkt man doch, dass der erste Satz das leistet, was er soll …

Es gibt Leute, die kaufen ein Buch, wenn das Cover gefällt. Anderen ist der Klappentext viel wichtiger. Gibt es auch „Titelkäufer?“ Kann der Titel so überzeugen, so neugierig machen, dass man das Buch deswegen kauft?

Genauso wie die Arbeit an Cover und Klappentext ist die Titelfindung ein langer Prozess. Mein Roman hatte bereits in der englischen Version einen Titel: Dear Comrade Novak.

Lieber Genosse Novak.

Hm… Nicht ganz so effektiv im Deutschen. Ich wollte unbedingt etwas haben, das meine Intention zeigt: gehobenere Unterhaltungsliteratur, Richtung „mainstream-Sprache“, aber dennoch ein Nischenthema, möglichst vielen Leuten das Land Rumänien und dessen Geschichte schmackhaft machen, jenseits von Dracula (na ja, eine Anspielung auf ihn ist schon an der einen oder anderen Stelle zu finden 😉 )

Der Titel sollte viel Interpretationsspielraum haben, aber nicht zu verschnörkelt sein, einfach, aber nicht zu simpel. Das sind manchmal die schwersten. Ich wälzte Begriffe in meinem Kopf herum, aber alles war irgendwie immer verschwurbelt oder … blöd.
Dann brachte mich ein Kommentar auf dem offiziellen facebook-Account der Stadt Timisoara auf den richtigen Weg. Dort hieß es in etwa: „Ja, toll, überall feiert man uns als die Stadt der Freiheit, in der die Revolution begann, und fragt man die Einwohner, haben die keine Ahnung mehr von Geschichte. Kommunismus? Das hat doch was mit Hitler zu tun, nicht?, antworten die dann. Stadt der Freiheit am Arsch!“

Und damit war der Titel geboren.

Ich bin jemand, der unbedingt Musik beim Schreiben braucht. Manchmal passt die Musik zur Szene oder zur Epoche, manchmal auch gar nicht, aber sie inspiriert mich. Es gibt Tage, da komme ich nicht in den Schreib-Flow, wenn ich nicht die für diesen Tag passende Musik finde. Was gestern noch ging, zündet heute eventuell nicht mehr.
Auch im Text von „Die Stadt der Freiheit“ finden sich viele Anspielungen auf Musikstücke und Songs, nicht zuletzt, weil mein Protagonist Attila klassische Musik liebt.
Gleich auf der ersten Seite „ruiniere ich den Bolero“ (wie meine US-Betaleserin liebevoll angemerkt hatte), indem ich ihn mit Attilas Arbeit bei der Securitate verknüpfe.
Warum gerade der Bolero? Ist es der stampfende Marsch, der militaristische Touch, den das Stück aussendet?
Nicht vorrangig.
Es ist ca 20 Jahre her, da waren wir mal wieder im Sommer „unten“ in Rumänien und ich entdeckte auf dem Dachboden alte Schallplatten meiner Mutter, darunter eben den Bolero. Irgendwie ließ mich der Gedanke nicht los, dass diese „Nicht-Ostblock“-Musik es bis zu uns geschafft hatte (in den 70ern, 80ern?). Und so wurde sie sozusagen zum Intro meines Romans.

Wenn euch meine Playlist interessiert, die ich zum Schreiben von „Stadt der Freiheit“ benutzt habe, hier ist sie (es lohnt sich, sie ist ziemlich schräg!):
1. Maurice Ravel – Bolero
2. Bronski Beat – Smalltown Boy extended
3. Dolhai Attila – Szeretlek én jöjj vizza hoszám
4. Johannes Brahms – Hungarian Dance No. 5
5. Pat Benatar – Love is a Battlefield
6. Piotr Tschaikovsky – Schwanensee
7. New Order – Blue Monday
8. Valeria Kurnushkina & Red Army Choir – Katyusha
9. Vali Sterian – Amintiri cu Haiduci
10. Vali Sterian – Vino Doamne

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