Zusammenschreiben zusammen schreiben – Ein Ausblick auf meine Ko-Produktionen ab 2021

Die Buchbranche ist gar nicht mal so ein einsames Geschäft. Im Idealfall stellt man ein tolles Team zusammen, das aus einem Manuskript mit Hilfe von Lektorat, Korrektorat, Buchsatz etc. etc. einen tollen Roman macht. Aber während der „word-in-progess“-Phase ist man die meiste Zeit doch recht allein beim Schreiben (bis auf Doktor Google und … diversen Getränken. Prost!).

Meine erste Romantrilogie schrieb ich allein und mit der Zeit wuchsen mir die Charaktere so sehr ans Herz, dass ich kürzlich meine Tochter aus Versehen „Attila“ genannt habe. Lange Zeit tat ich mich schwer damit, eine neue Familiensaga auf die Beine zu stellen; zu fremd, zu blass erschienen wir die neuen Figuren. Irgendwie kam ich nicht in die Zeit hinein; das Romanprojekt sollte im Jahr 1930 im faschistischen Rumänien beginnen. Es wäre doch spannend, den Weg in den Krieg aufzuzeigen und die Parallelen zum Deutschen Reich zu ziehen. Aber irgendwie wurde daraus nichts. Ach was, das ist untertrieben. Meine neuen Protagonisten nervten mich nach einiger Zeit abgrundtief! In die Tonne damit!

Und auch der Kalte Krieg – die bevorzugte Zeitspanne, in der ich meine Romane ansiedele – ließ mich nicht los. Also lief ich auf Knien gekrochen wieder zurück, bat um Vergebung und ich und Familiensaga 1 wurden wieder ein Paar.

Dann chattete ich eines schönen Tages, während neben mir ein Topf Spaghetti überlief, mit einer Autorenkollegin und wir dachten uns: Yo, schreiben wir einen Roman zu zweit, haben wir nur noch die Hälfte der Arbeit, nehmen wir jeweils unsere bereits fertigen Protagonisten und machen ganz krass ein Crossover.

So der Plan.

Aber würde der funktionieren? Wir begannen wieder, jede für uns, den Anfang zu schreiben. Dann die erste Szene, in der unsere beiden Protagonisten zusammen auftreten sollten. Wir verabredeten uns für Sonntagnachmittag für eine Schreibsession. Piece of Cake!

Also, fahr ich den Computer hoch, sehe, dass Kollegin auch bereits eingeloggt ist, ihr Cursor blinkt, dann schreibt sie was, und ich lese in Echtzeit ihre Gedanken. Ist die Technik nicht genial?!

So weit so gut, also, Kollegin schreibt und schreibt und schreibt. Und dann hört sie plötzlich auf. Ich bin dran.

Huch.

Der Schweiß bricht mir aus, ich sterbe tausend Tode. Was soll ich jetzt machen? Ich plotte doch nicht, schreibe wild drauflos, sie ja auch. Und wenn ich jetzt etwas total Bescheuertes schreibe? Wird sie mich am anderen Ende von Süddeutschland auslachen?

Ach egal, mach einfach. Und dann schrieb ich meinen ersten Abschnitt in dieser Schreibkonferenz. Und es lief. Zeile um Zeile, Abschnitt um Abschnitt, Seite für Seite wurde was richtig Tolles draus. Und ehe wir uns versahen, schrieben wir auf Deutsch und in diversen anderen Sprachen „Ende“ darunter.

Ach Mann, schon vorbei? Das war doch so cool! Also auf ein Neues. Eine neue Koproduktion, auch jeweils mit unseren schon etablierten Protagonisten, diesmal andere, dennoch aus unserem Cold-War-Fiction-Universum.

Und diese zweite Ko-Produktion neigt sich jetzt schon dem Ende zu und es ist das erste meiner Manuskripte, bei dem ich wirklich, wirklich traurig bin, dass es schon vorbei ist. Tja, Koproduktion Nr. 3 mit Co-Autorin 1 dann als nächstes? Sag niemals nie!

Und dann war da noch die sehr, sehr reizvolle Idee des 1930er-Romans, die aber an der Umsetzung haperte. Whatsapp sei Dank chattete ich mit einer anderen Autorenkollegin und siehe da, wir hatten denselben Gedanken.

Und wieder: Hallo, Selbstzweifel, auch schon anwesend?!

Würde es mit jemand anderem genauso gut klappen wie mit Kollegin 1, mit der ich bereits ein eingestimmtes Team war? Wir schrieben tatsächlich schon wie eine Person.

Tja, Silvi, ausprobieren, wenn du nur grübelst und nix machst, weißt du es nie (Ja, ich habe einen sehr, sehr lauten, unaufhörlichen inneren Monolog. Er ist manchmal ein Arsch.)

Also, neues wip-Dokument öffnen, verabreden und drauflos schreiben (und dabei sage ich immer, ich arbeite nur an einer einzigen Sache, ha. Hahaha.). Und siehe da; es klappte genauso gut, und endlich darf aus meiner vagen 1930er-Romanidee etwas werden, denn alleine hätte ich die ersten über 10.000 Wörter nie so hinbekommen. (ich habe da bereits 50.000 Wörter für die Tonne geschrieben, nun gut, der virtuelle Papierkorb ist geduldig.)

Und auf diese Projekte bin ich nun besonders stolz, weil mich nicht nur die Protagonisten begleiten, sondern auch die Mittäterinnen, äh, Mitschreiberinnen:

– 1: Cold War Fiction im Winter 1968/69 nach dem Prager Frühling, ein klassischer Agentenroman mit modernem Twist, Schauplatz Moldauische SSR

– 2: Cold War Fiction im Sommer 1985 am Balaton. Publikumsliebling Attila darf wieder ran. Ich staune jedes Mal, wenn ich die Kapitel, die bisher entstanden sind, durchlese. Die romantischen, wie auch die etwas eindeutigeren Szenen sind wunderschön geworden, und auch mit dem „Agentenkram“ drumherum haben wir in die Vollen gelangt. Und für den finalen Showdown zeichnet sich ein Spektakel ab.

Aber wie erwähnt: Ich will da noch nicht zum Abschied leise Szervusz sagen …

– 3: Historischer Roman: Schauplatz Bukarest im Königreich Rumänien ab 1930. Konnte ich nicht alleine schreiben, jetzt wird daraus ein richtiges Epos. Fertigstellung? Keine Ahnung, hoffentlich vor 2030.

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