#Aprilsettings2021 Teil 3

Beschreibe deinen liebsten Schauplatz mit drei Stichworten.

Mein liebster Schauplatz Timisoara/Temeswar in drei Worten:

1. Geschichtsträchtig 2. Holzlack 3. Revolution

1. Für historische Romane ist Timisoara einfach großartig geeignet. Die meiste Zeit gehörte es zu Ungarn, dann zur k.-u.-k.-Monarchie, im Zuge des Vertrags von Trianon fiel es dann nach dem Ersten Weltkrieg an das Königreich Rumänien. Wenn das nicht Stoff für Romane bietet, weiß ich auch nicht …

2. Für mich persönlich riecht Timisoara nach Holzlack. Und zwar im positiven Sinne. Ja, ich schnüffel das gerne.

3. Revolution: Hier begann sie, die Rumänische Revolution, und breitete sich von Timisoara aufs ganze Land aus. Anders als die anderen 1989er Revolutionen forderte sie gerade in Timisoara viele Opfer. So ist der 17. 12. 1989 ein trauriges Datum, was man in „Die Stadt der Freiheit“ nachlesen kann.

Würdest du selbst gerne an einem deiner Handlungsorte leben?

Ja. Nein. Vielleicht. Oh mein Gott. Es ist kompliziert.

An einem meiner Handlungsorte bin ich geboren und mein Herz wird immer zu einem Teil dort sein. Ich stehe da zwischen den Stühlen, bin ein wenig zerrissen. Reden wir nicht darüber …

Arbeitest du alle Schauplätze gleich stark aus? Wie sehr gehst du ins Detail?

Ich picke mir gerne ein paar Details heraus, die dann (hoffentlich) im Kopf des Lesers ein Gesamtbild ergeben. In einem Szegeder Café waren es die Samtpolster, die Magahonivertäfelung, Seidenvorhänge, Kristalllüster, der Geruch von Likör und Zigaretten. Am Balaton sind es die Seeschlangen, der eine Igel, der ins Gebüsch huscht, das doofe Zeug im See, das sich um die Beine schlingt.

In Timisoara ist es der Klang der Namen. Alleine Opernplatz zu schreiben löst schon alles mögliche an Assoziationen aus. Ich lasse einzelne Signalworte gerne für sich sprechen. Atmosphäre ist mir sehr wichtig, sollte aber nicht Handlung und Charaktere überlagern.

Der Balaton

Von welcher Sorte hast du mehr Schauplätze? Indoor oder Outdoor?

Ich glaube, das hält sich die Waage. Sowohl in den hintersten Ecken der Kämmerchen als auch auf großen Schlachtfeldern habe ich meine Szenen angesiedelt. Tolstoi war mir da ein Vorbild.

Wenn in einer Geschichte eine Strecke zurückgelegt wird, wie genau beschreibst du das?

Ich liebe Zugfahren. Besonders die alten rumänischen mit der Holzvertäfelung. Und da in Zügen auch sehr gut Geschichte geschrieben werden kann, werden solche Szenen bei mir recht ausführlich. Aber es gibt auch Szenen, in denen meine Protagonisten mal eben so von Timisoara nach Bukarest fahren, obwohl es da ja keine Autobahn hin gibt. Künstlerische Freiheit macht’s möglich.

Der Transfagarasan ist nichts für schwache Mägen

Wer ist bei der Planung des Buches zuerst da – die Charaktere oder der Ort?

Beides, weil beides bei mir zusammenhängt. Meine Charaktere könnten ohne den Ort nicht existieren. Und der Ort gebiert die Charaktere, beeinflusst sie. Mein Schauplatz ist der heimliche Protagonist meiner Reihe, das eine geht nicht ohne das andere. Nicht zuletzt ist Nelu das zum Menschen gewordene Rumänien; an seinem Lebensweg zeigt sich die Geschichte des Landes. Und jeder der anderen Charaktere steht für einen Aspekt Rumäniens bzw. für eine politische Epoche.

Tatsächlich war bei dieser Familiensaga aber als allererstes ein Charakter da: und zwar Attila. Irgendwann im März 2018 dachte ich mir so: Machste einen Roman über einen jungen Mann, der mit seinem Liebhaber im Zug reist, und guckste dann, was für ein Plot herauskommt. Den Schauplatz wollte ich zuerst in Russland ansiedeln, hatte aber wenig Lust zu recherchieren. Also dachte ich mir: Machste Rumänien, da kennste dich aus.

So kam eines zum anderen und meine Familiensaga wurde eine Art mini Lebenswerk.

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